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| JOE VOLK - LIVE 2016

Geschrieben am 29.06.2016

Bristol ist die Stadt in Großbritannien, die seit der TripHop-Revolution Mitte der Neunziger Jahre den signifikant eigensten Sound aufweist und seit den frühen Tagen von Massive Attack, Portishead und Tricky für eine einzigartige künstlerische Freigeistigkeit steht. Mitten in diese Szene hineingewachsen ist auch der Sänger und Gitarrist Joe Volk. Obschon er ursprünglich mit der für Bristol typischen, elektronisch erzeugten Musik nichts am Hut hat, lässt sich die für diese Stadt bekannte, stilistische Bezugsoffenheit sowie der Mut zum Anderssein auch in seiner Musik unmittelbar nachvollziehen. Ob Volk nun als Sänger und Gitarrist für Hard- und Postrock-Bands tätig ist; ob er Filmscores für Kurzfilme oder die Begleitmusik für renommierte BBC-Dokumentationen komponiert; oder ob er ein neues Soloalbum veröffentlicht, das seine Basis zwar im Singer-/Songwriter findet, von dort aber in mystisch orchestrale und zuweilen gewollt verschrobene Soundwelten abdriftet: Stets hört man der Musik von Joe Volk an, dass er sich nicht nur mit einer guten Komposition zufrieden geben will, sondern dass er für jedes veröffentlichte Stück eine klare Vision in Sachen Klangästhetik und überraschender Instrumentierung anstrebt und findet. Dies ist sicher auch ein Verdienst der progressiven Bristoler Musikszene, der Volk bis zu seinem Umzug in die Schweiz fest angehörte.

Einige der Protagonisten dieses „Bristol-Sounds“ gehören zu seinen engsten Freunden, die ihn auch jetzt, auf seinem neuen Soloalbum „Happenings and Killings“, tatkräftig unterstützten. Geoff Barrow, Mastermind, Komponist und Schlagzeuger der überragenden Portishead, ist nicht nur ein enger Freund, sondern gilt auch als Entdecker von Volks Solo-Arbeit: Bereits 2009 veröffentlichte er Volks Solodebüt „Derwent Waters Saint“ auf seinem damals frisch gegründeten eigenen Label 'Invada'. Und auch auf seinem neuen Album half Barrow wieder tatkräftig mit, Volks ohnehin höchst ungewöhnliche Kompositionen mit dem notwendigen Quentchen Eigensinn auszustatten. Und Geoffs Kollege Adrian Utley, sonst Gitarrist bei Portishead, agiert auf „Happenings and Killings“ als Co-Songwriter und verhalf der Platte damit zu einem derart eigenständigen Klang, dass es den NDR dazu animierte, Volks Songs zu vergleichen mit den verschachtelten Zeichnungen von M.C. Escher, inszeniert in der charmanten Zurückhaltung eines Nick Drake.

Das Fundament für eine derart eigenwillige und zugleich in jedem Ton hoch spannende Platte legte Joe Volk in den vergangenen 15 Jahren als Sänger und Songwriter von zwei für ihr jeweiliges Genre ebenfalls höchst ungewöhnlichen Formationen. Bis 2007 war er der Frontmann der Band Gonga, die dem klassischen Hardrock eine Frischzellenkur verpasste und ihn um Stoner Rock und Alternative Metal erweiterte. Man bescheinigte der Band in den Fachblättern eine große Zukunft, doch nach einem Album und zwei EPs zog es Volk weiter. Wie unmöglich es offenbar war, Volks Präsenz als Frontmann zu ersetzen, sieht man auch daran, dass Gonga seither als instrumentales Trio weiter agiert und auf Gesang gänzlich verzichtet.

In der international gefeierten Postrock-Band Crippled Black Phoenix fand Volk daraufhin die Formation, in der er seine Ambitionen zum Kreieren von mystischen Klangräumen und unkonventionellen Songstrukturen voll und ganz ausleben konnte. Zudem erlebte er in dieser vom Multiinstrumentalisten Justin Greaves ins Leben gerufenen Kreativzelle eine für ihn perfekte Arbeitsweise: Denn neben den ständigen festen Mitgliedern lebt die Band gerade im Studio von den Ideen und Impulsen vieler Kollaborateure, die ihre spontanen Ideen mit einfließen lassen. Dabei entstehen abstrakte Soundwelten, die selbst für die ausführenden Akteure oft völlig neu und unerwartet ausfallen, wie die insgesamt sieben Tonträger, die Volk mit Crippled Black Phoenix aufgenommen hat, eindrucksvoll belegen.

All diese Erfahrungen spiegeln sich nun in Joe Volks neuem Soloalbum „Happenings and Killings“ wider. Von fragilen Akustikstücken über verschachtelte Elektronik-Arrangements bis hin zu opulenten Streicheraufnahmen, die Volk zusammen mit dem Komponisten Ben Salisbury komponierte, geht die spannende Reise auf dieser Platte – in der Mitte stets die akustische Gitarre und die Stimme dieses außergewöhnlichen Musikers. Es ist Musik zum Zuhören und Fallenlassen, bei der die Gedanken unkonkret werden und man sich ganz den Emotionen hingibt, die durch diese mutigen Arrangements ausgelöst werden. Musik wie ein „Stream of unconsciousness“, bei der sich die vielen Elemente zu einem Gesamtbild ergänzen, das ebenso mächtig wie ungreifbar ist.

JOE VOLK

14.09.2016 DE - Berlin - Maze
15.09.2016 DE - Hamburg - Knust
16.09.2016 DE - Düsseldorf - Zakk Club
17.09.2016 DE - Frankfurt - Zoom
18.09.2016 DE - Rees-Haldern - Haldern Pop Bar

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